Palma de Mallorca – Qualität trotz Ballermann

Von Ricarda Indinger | Mallorca ist wahrscheinlich die Urlaubsinsel die mit den meisten Klischees beladen ist: 17. Bundesland, Ballermann, Düsseldorf Schickimicki in Antratx oder Yoga im Hinterland… Ich lasse mich von den ganzen Vorurteilen nicht beirren und komme immer wieder gerne hierher. Gerade die Hauptstadt Palma de Mallorca ist der ideale Ort für ein verlängertes Wochenende am Meer, der mehr als nur Party und Sangria zu bieten hat.

Palma de Mallorca verfügt über eine Vielzahl an schönen Hotels, meine Lieblingsbleibe ist das kleine Stadthotel Dalt Murada, nur unweit der Kathedrale in einer kleinen Seitengasse gelegen. Das Dalt Murada, ein liebevoll renoviertes ehemaliges Stadtpalais, wird äußerst gastfreundlich von den Eigentümern geführt und ist perfekter Ausgangspunkt für die Erkundung der Stadt. Nach Café Cortado und Ensaimada, dem typischen mallorquinischen Schmalzgebäck, zu dem es normalerweise heiße Schokolade gibt, im Can Joan s’Aigo, dem traditionellen Café der Stadtbewohner und ein Klassiker schlechthin, laden die großen Einkaufsstraßen, wie die Avenida Jaime III oder der Passeig des Born, zum Shoppen ein. Oder auch nicht, denn da es dort mittlerweile kaum Unterschiede zum Angebot unserer heimischen Einkaufsmeilen gibt, halte ich mich lieber etwas abseits.

Shopping in Palma de Mallorca

Das Santa Catalina Viertel, seit einigen Jahren schon das In-Viertel der Stadt, bietet eine Menge kleiner Boutiquen und links und rechts der Placa Major kann man tolle Second-Hand Läden und Antiquitätengeschäfte finden, für deren Erkundung ein Tag nicht ausreicht. Das „Sa Costa Antiguidades de Palma de Mallorca“ wäre ein solcher Ort. Die Brüder Forteza haben ein wahres Labyrinth aus Möbeln der 60er und 70er Jahre, gepaart mit schwerer Ölmalerei und verschiedenster Figuren von Helden der Kindheit zusammengetragen. Wer sucht, der findet ist die Devise.

Die Konzentration auf regionale Produkte hat auch auf der Insel Einzug gehalten. Das Geschäft „La Pecera“ beschränkt sich ausschließlich darauf und hier gibt es von Lederwaren über Espadrilles bis hin zu Liegestühlen alles made in Mallorca. Dabei „stolpert“ man immer wieder über das typische mallorquinische Ikat-Muster, das aus einer besonderen Webtechnik (kann man sich sehr gut in den alten Webereien in Santa Maria anschauen) entstanden ist. Mittlerweile wird auch die inseltypische Keramik damit bemalt, die unter anderem im Estilo Sant Feliú zu bekommen ist. Tollen Schmuck findet man bei Pamela Haring in der Orfebreria PAM. Die deutsche Goldschmiedemeisterin betreibt seit 10 Jahren ihr Geschäft auf der Insel und fertigt wirklich außergewöhnliche Kreationen und ist für ihre Sonderanfertigungen bekannt. Auch Männer können hier glänzende Augen bekommen, denn PAM fertigt auch Manschettenknöpfe nach Wunsch – das Gentleman-Accessoire schlechthin.

Bummeln macht ziemlich hungrig und für mich ist die perfekte Mittagsadresse einer der beiden Märkte in Palma de Mallorca. Da gibt es zum einen den größeren Mercat de l’Olivar mit eigener Fischhalle, die wirklich keine Wünsche mehr offen lässt. Vom Seeteufel über die süßen Gambas rojos bis hin zu Rotbarben und Muscheln aller Art – und für den kleinen Snack von Tapas bis Sushi und Austern  – wird hier alles geboten. Ruhiger, kleiner aber mit nicht minder attraktiver Auswahl lockt der Mercat Santa Catalina. Im Can Joan Frau wird hier die beste Paella der Stadt, zweimal wöchentlich übrigens in der schwarzen Variante, serviert  – Reservierung ist obligat, denn wenn die Paella erstmal angesetzt ist, bleibt für Zufallsgäste nur sehr selten etwas übrig.

Ganz anders zu geht es da im Café Botiga Amadip Esment. Das Motto lautet: „Essen ohne Vorurteile“. Denn im Amadip gibt es zwar täglich nur ein wechselndes Mittagsmenü, jedoch wird alles von Jugendlichen mit Handicap zubereitet, serviert und verwaltet. Weiterer Vorteil: es schmeckt hier wirklich hervorragend. Die Einnahmen dieser nichtstaatlichen Organisation kommen allesamt einer privaten Stiftung zu Gute, die sich darum kümmert Menschen mit Handicap ein Stück normales Leben zu verschaffen. Amadip gehört mit über 400 Angestellten zu den größten Unternehmen der Balearen. Neben dem Restaurantbetrieb gibt es auch die Unternehmen für Gartenpflege, Reinigung und Druckerei.

Nachmittags ist die ideale Zeit für den Strand und dafür braucht man in Palma de Mallorca gar nicht so weit zu fahren oder gehen. Natürlich gibt es den Stadtstrand mit diversen Beachclubs wie das Anima Beach und Nassau Beach, an denen sich immer eine ganze Menge rührt. Ich schnappe mir allerdings viel lieber ein Fahrrad und radle noch knapp zwei Kilometer weiter, vorbei an Portixol ( schönes Hotel und Restaurant Portixol ) und weiter bis Es Molinar und Ciutat Jardin. Die ehemaligen Fischerdörfer entlang der Promenade haben in den letzten Jahren einen erheblichen Aufschwung erlebt und mutieren so langsam zu kleinen Design-Häuschen, jedoch ist die Atmosphäre dort immer noch sehr entspannt. Die Insulaner kommen, verstärkt mittags und natürlich sonntags zum Baden her, zwischen den beiden kleinen Häfen Portixol und Es Molinar gibt es eine Menge guter kleiner Lokale, wie das C’an Punta oder das El Piadina e Vino und die Sportlichen unter uns nutzen die Strecke am Meer für ihr tägliches Workout.

Dining in Palma de Mallorca

Der Abend beginnt am besten beim Aperitif im Restaurant Es Baluard, das zum Museum der Modernen Kunst in Palma gehört und den besten Blick über den Passeo Maritimo bietet oder im momentan sehr angesagtem Restaurant und Cocktailbar Sadrassana. Danach lande ich meistens im Duke, im Santa Catalina Viertel, bei der besten Céviche der Stadt. Das Duke, benannt nach dem Hawaiianer und Erfinder des modernen Wellenreitens Duke Kahanamoku, wird von den Weltenbummlern, begeisterten Surfern und vor allem professionellen Gastronomen Junajo, Yago und Ronni nach dem Vorbild einer Surferkneipe mit selbst gezimmerten Holzbänken und Tischen, Surfbretter an den Wänden und Maui-Feeling in der Luft geführt. Frischeste Produkte stehen dort im Focus: neben peruanischer Ceviche machen die Gerichte der Karte von Spanien bis Asien einmal einen Reise um die Welt. Etwas Platz sollte man sich aber unbedingt für das Schokoladendessert mit Olivenöl lassen.

Spanien steht für Tapas und die besten bekommt man definitiv in der Bar España. Die Bar ist sehr rustikal und laut mit überwiegend spanischen Gästen, äußerst freundlichem und schnellem Service und der allerbesten Tortilla der Stadt.

Sanfermines Palma 2014 from DandoLaMurga on Vimeo.

Geniessen in Palma de Mallorca

Dort haben wir auch Javier kennengelernt. Javier stammt aus der mallorquinischen Winzergroßfamilie Oliver Moragues, die bereits seit 1711 Wein produziert und Weingärten in Consell und Algaida besitzt. Er selbst hat sich sein eigenes Gut in Algaida aufgebaut und produzierte seit 1992 vor allem Rotweine aus der autochthonen Rebsorte Manto Negro. Auf Reisen hat er allerdings eine neue Herausforderung für sich entdeckt: den Süßwein, der bis dato auf der Insel keine Rolle gespielt hat. 2005 hat er sich entschlossen seine ersten Moscatel de Grano Menudo – Gelber Muskateller –  Rebstöcke zu pflanzen und nach 12 Monaten in neuen französischen Eichenfässer ist ein wunderbarer feiner, ausgewogener und leicht säurebetonter Süßwein mit dem Namen Rover entstanden, der in diesem Jahr zum ersten Mal zu kaufen ist.

Wer sich der Insel literarisch noch ein wenig nähern möchte, dem ist das Buch „Die Insel des zweiten Gesichts“ des Schriftstellers Albert Vigoleis Thelen zu empfehlen. Ein leider weitgehend unbekanntes Buch, das die Geschichte des Ehepaar Thelens auf der Insel zu Beginn der 30er Jahre erzählt.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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