Vom Chiemsee nach Apulien, un buon viaggio!

Apulien ist sicherlich eines der interessantesten Reiseziele Italiens und doch vom Massentourismus weitgehend verschont geblieben. Das Land besticht mit seiner wechselvollen Geschichte durch unzählige kulturelle Reichtümer, ein herrlich türkisfarbenes Meer und durch die apulische Küche, die häufig sogar von Italienern als die Beste ihres Landes gelobt wird.

Vom Chiemsee nach Apulien

Wir starten unsere Reise in Oberbayern – um vom Chiemsee nach Apulien zu kommen, wäre die einfachere Variante natürlich die gewesen, ein Flugzeug zu besteigen – wir aber setzten uns lieber ins Auto und fuhren 1400 Kilometer mit ein paar kleinen Zwischenstops quer durch Italien, um an unser Ziel – die Masseria Serra dell’Isola in Mola di Bari – zu gelangen.

Erster Halt ist Bologna in der Emilia-Romagna – gerne auch „La grassa“ – Die Fette  – genannt. Den Namen hat sich die Hauptstadt der Region auch redlich verdient, spaziert man durch Strassen, vorbei an zahlreichen Schaufenstern prall gefüllt mit feinsten Delikatessen. Wir verbringen unseren Mittag in der Osteria Bottega bei verschiedener Salumi, hausgemachter Pasta und ein dolci darf dabei natürlich nicht fehlen. Anschließend nehmen wir einen Kaffee auf der Piazza Maggiore, verschlendern den Tag unter den Arkaden und checken danach im knapp 10 Kilometer vom Stadtkern entfernten Unaway Hotel Bologna San Lazzaro ein. Abends entschließen wir uns zum Essen in die entgegengesetzte Richtung zu fahren – in unsere neue heimliche Lieblingsstadt Imola. Mit ihren knapp 70.000 Einwohnern, ihrer wunderschönen Altstadt mit mehreren Palazzi, Festungsanlage und Pinakothek hat sie unsere Herzen erobert. Zu Abend gegessen wird in der mehrfach u.a. von Slow food ausgezeichneten Osteria del Vicolo Nuovo da Ambra e Rosa – eine Osteria fest in Frauenhand – herzlich und dominant geführt, Männer übernehmen hier nur die Handlanger-Arbeiten.

Am nächsten Morgen gehts weiter ans Meer – nach Rimini.  Für denjenigen, der noch nie in Rimini war – und da gehöre auch ich dazu, wird der Ort an der Adria ein willkommene Abwechslung zu den übrigen Badeorten an Italiens Küste sein. Denn Rimini hat viel zu bieten: natürlich den obligatorischen kilometerlangen Sandstrand mit den ebenso kilometerlangen in Reih und Glied drapierten Sonnenschirmen und Liegen plus dazugehörige bunte Bagnos, einen schönen Yachthafen und leider auch die üblichen Hotelburgen –  abgesehen vom prächtigem Grand Hotel, Lieblingshotel des wohl berühmtesten Sohnes der Stadt: Filmemacher Federico Fellini. Gegen Abend sollte es dann einen aber in die nur etwa 1,5 Kilometer entfernte Altstadt ziehen. Denn dort gibt es eine Reihe chicer Boutiquen, nette Cafés, tolle Bars und Restaurants. Empfehlenswert ist auch ein Spaziergang durch das ehemalige Fischerviertel San Giuliano, in dem man an vielen Häuserfassaden Wandmalereien mit Szenen aus Fellinis Filmen findet und wo wir beste frito misto in der Trattoria La Marianna gegessen haben. Hier gibt es für Gäste zur Rechnung übrigens immer ein kleines Heft mit den beliebtesten Rezepten des Hauses.

Da es nach Bari noch gut 550 Kilometer sind, verlassen wir frühmorgens Rimini und machen uns auf den Weg über die Autostrada Adriatica in Richtung Süden, nach Apulien. Ohne Zwischenstop gehts auch hier nicht, denn zur Mittagszeit knurrt der Magen. Unser treuer Reisebegleiter „Osterie d’Italia“ bringt uns an einem unscheinbaren Ort, denn man wohl sonst eher links liegen gelassen hätte, nach Molise, der zweitkleinsten Region Italiens, nach Campomarino. Ein kleiner Ort, der aus der Höhe auf das Meer und die schönen Strände der Region blickt. Dort im Zentrum versteckt, betreibt Giuseppe Labbate sein Lokal Nonna Rosa, verwöhnt uns mit hervorragender Landküche und erzählt leidenschaftlich von seinen Produkten. Auch wenn wir nur die Hälfte verstehen, macht das nichts, denn seine Begeisterung und Stolz waren ihm von den Augen abzulesen.

Finalmente arrivato – Apulien!

Am Nachmittag erreichen wir endlich unser Ziel: die Masseria Serra dell’Isola in Mola di Bari, Apulien, nur etwa 20 Kilometer südöstlich von Bari. Die Masseria, eine ehemalige Ölmühle aus dem 17.Jh, versteckt zwischen Olivenhainen und Weingärten, ist ein kleines Bed & Breakfast mit nur fünf liebevoll mit antiken Möbeln eingerichteten Zimmer. Der großzügige Eingangsbereich sowie die Terrasse mit wildem Garten bieten viel Platz und laden zum Chillen ein. Am großen hölzernen Esstisch in der Stube trifft man sich mit den anderen Gästen, isst und trinkt gemeinsam, tauscht sich aus und lässt sich von der Hausherrin Rita Guastamacchia die Geschichte und Traditionen Apuliens erzählen oder einen Ausflugtipp für den kommenden Tag geben. Entgegen der immer häufiger vorkommenden 4*plus Masserien, wird man hier keinen Wellnesstempel finden. Ist aber auch egal, denn dazu sind wir ohnehin nicht hier. Dafür gibts kaum bessere Orte, um sich mit Land und Leute zu beschäftigen.

Rita Guastamacchia ist ehemalige Journalistin für Agrar- und Umweltthemen und will mit ihrer Arbeit in der Masseria das kulinarische Erbe Apuliens weitertragen. Die Küche des Landes ist geprägt von Olivenöl, vielfältigstem Gemüse und Getreide – aus deren unterschiedlichen Arten die typischen Pastasorten wie Orecchiette, Strascinate oder Cavatelli entstehen und natürlich Wein, der sein schlechtes Image mittlerweile hinter sich gelassen hat. Um Wissen und handwerkliches Know how zu vermitteln bietet Rita Kochkurse im ursprünglichsten Sinn der Slow-Food Bewegung an. Auf dem Plan stehen beispielsweise Orecchiette con le time di rape, Focaccia, polpi in umido und trippa .

Rita Guastamacchia @ Masseria Serra dell’Isola, Apulien

Rita Guastamacchia @ Masseria Serra dell’Isola, Apulien

Die Kochkurse werden als 1-Tages- bis hin zu Wochenkursen angeboten und sowieso können Themen und Zeiten individuell angepasst werden. Auf jeden Fall sollte man sich morgens von Rita auf den Markt mitnehmen lassen und an einer von ihr organisierten Weinverkostung teilnehmen. Bei den Kochschülern handelt es sich meist um Hausgäste oder Gäste umliegender Masserien, aber auch viele Einheimische kommen vorbei, um alte Rezepte und Kochtechniken zu erlernen.

Die Masseria ist außerdem ein guter Ausgangspunkt, um die Sehenswürdigkeiten in Apulien mit dem Auto zu erreichen. Gargano im Norden mit seinen dichten Wäldern und Sandstränden, Salento ganz im Süden als Synonym für Sonne und Meer, Alberobello in der Mitte mit seinen Trulli und weiß getünchte, griechisch beeinflusste Küstenorte wie Monopoli. Bevor es für uns ins beeindruckende Castel del Monte, dem achteckigen ehemaligen Jagdsitz des Stauferkaisers Friedrich II. geht, kehren wir nahe bei Andria in die Trattoria Antichi Sapori, des weit über die Grenzen von Apulien für seine Kochkunst bekannten Pietro Zito ein. Das Team kümmert sich hervorragend um seine Gäste, nach der Vielzahl der Antipasti sind wir eigentlich auch schon satt, aber es heißt: nicht aufgeben. Es wäre auch viel zu schade. Lammkotelettes, Salsiccia, Purè di fave e cicorie sowie sämtliche kleine Desserts sind mehr als nur eine kleine Sünde wert.

Arrivederci Apulien, bis bald!

Nach gut 10 Tage Reise ist es für uns an der Zeit, wieder nach Hause zu fahren. Dafür nehmen wir unsere Freundin Imma mit ins Gepäck, die in Bari ihre Familie besucht hat und mittlerweile in Siena lebt und sichern uns so unsere letzte Übernachtungsmöglichkeit. Siena, deren historische Altstadt seit 1995 zum UNESCO-Weltkulturerbe gehört und bekannt ist für sein Palio di Siena auf der Piazza del Campo ist definitiv eine der schönsten Orte der Toskana. Mit seinem Dom aus weißen und schwarzen Marmor, dem Rathaus an der Piazza del Campo und der Banca Monte dei Paschi di Siena, die älteste Bank der Welt, gibt es viel zu erkundschaften. Den Abend verbringen wir bei Duccio Barucci in seiner Osteria da Titti. Die Mama kocht, er serviert und nicht so selten wird bei Live-Musik auch ordentlich gefeiert.

Am nächsten Morgen heißt dann endgültig „ciao, bella Italia“ und wir beschließen unsere Reise im Pretzhof bei Pfitsch, hoch oben über Sterzing. Speisekarte gibt es keine, die Tagesgerichte aber werden persönlich vorgetragen und auf die passende Weinempfehlung darf man auch vertrauen.

Masseria Serra dell’Isola
Strada provinciale 165 Mola-Conversano n. 35
I-70042 Mola di Bari (BA) Italy
Tel. +39 349/5311256
www.facebook.com/CucinaInMasseria
info@cucinainmasseria.it

Kommentar hinterlassen zu "Vom Chiemsee nach Apulien, un buon viaggio!"

Hinterlasse einen Kommentar

E-Mail Adresse wird nicht veröffentlicht.


*